Manchmal – aber nur manchmal – wünsche ich mir, in den USA zu wohnen. Da könnte ich mir an meinem Fahrradunfall letztes Jahr wahrscheinlich eine goldene Nase verdienen. Naja – was da teilweise für Summen gezahlt werden, da wird einem anders. Wie meinte Volker Pispers: “Schütten sie mal einem Amerikaner einen heißen Kaffee über die Hose, [...] die Kinder verklagen sie noch, weil sie mit einem traumatisierten Vater groß werden mussten.”

Nun meine Kinder werden bezüglich meines Unfalls wohl niemanden verklagen und auch bei mir hat sie das jetzt bald alles erledigt. Was man in Deutschland für einen Handbruch bekommt, wollte ich daher hier mal kurz berichten.

Meine Verletzungen waren im einzelnen:

  • Dislokation des 4. und 5. Mittelhandknochen der linken Hand incl. Riss der entsprechenden Bänder, kleine Knochenabsplitterung
  • Verstauchung des rechten Handgelenks
  • ca. 8×14 cm² große, teilweise tiefe Schürfwunde am rechten Oberarm (Autodachkante)
  • kleinere Schnittverletzungen am rechten Knie, Plastik-Splitter tief unter der Haut (Außenspiegel)
  • kleinere Prellungen

Die linke Hand musste insgesamt dreimal operiert werden. Bei der ersten OP wurden die Knochen unter Vollnarkose wieder in Position gebracht, was leider nicht von dauer war. Deshalb durften die mir ein zweites Mal das Licht ausschalten und diesmal wurden die Knochen mit zwei Kirschnerdrähten fixiert. Diese blieben ca. 10 Wochen in der Hand, verursachten die schlimmsten Schmerzen meines Lebens und wurden dann ambulant mit örtlicher Betäubung in der dritten OP entfernt. Anschließend gabs Physiotherapie mit Massagen und Kraftübungen. Die Wunden am Knie und am rechten Arm sind mit entsprechender Narbenbildung verheilt.

Zunächst einmal fand ich es bei all dem Papierkram, den ich wegen meinem Unfall hatte, sehr praktisch nicht direkt was mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung (HUK Coburg) zu tun zu haben. Die meisten Versicherungen sind mir ausgesprochen suspekt und von Vertrauen würde ich nur in den seltensten Fällen sprechen. All das hat mein Anwalt für mich erledigt, den ich mir trotz fehlender Rechtsschutzversicherung nehmen konnte, da ich keinerlei Mitschuld an dem Unfall habe.

Gleich zu Beginn der ganzen Geschichte, habe ich einen Kostenvoranschlag für die Schäden an meinem Crossrad machen lassen. Kaputt waren beide Laufräder und der gesamte Lenker incl. Hörnchen und Vorbau. Zusammen mit der Wertminderung für die Lackschäden und den Arbeitsstunden habe ich rund 260€ anstandslos von der Versicherung bekommen. Ohne irgendwelche weiteren Forderungen, überwies mir die HUK weitere 500€ quasi als Vorschuss auf ein mögliches Schmerzensgeld.

Nachdem dann Monate später endlich der ärztliche Bericht aus dem Klinikum vorlag, bot mir die HUK Coburg ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000€ an und zahlte die fehlenden 1500€ aus. Weitere 250€ Abfindung sollte ich bekommen, wenn ich auf alle weiteren, zukünftigen Forderungen verzichte.

Nach Beratung mit meinem Anwalt habe ich dann im Gegenzug 1000€ für die Abfindung verlangt und weitere 500€ Schadensersatz für den Ausfall meiner Arbeitskraft in meinem eigenen Haushalt – mein Anwalt fand diesen Betrag angemessen.

Die 1000€ werde ich gegen eine entsprechende Unterschrift jetzt bekommen. Der Schadensersatz wurde abgelehnt, womit ich mich jetzt zufrieden geben werde, da ich keine Rechtsschutzversicherung habe.

Alles in Allem wurde also die Reparatur meines Fahrrads und meine Hose erstattet und 3000€ Schmerzensgeld gezahlt. Mit mehr habe ich vorher nicht gerechnet, weshalb ich eigentlich zufrieden sein kann. Was mich bei der ganzen Geschichte sehr geärgert hat, ist der ärztliche Bericht. Ich hätte viel mehr darauf achten müssen, dass alles genauestens dokumentiert wird. Ich habe zwar immer wieder nachgefragt, aber mir nie zeigen lassen.

Der Bericht enthält nur die Verletzungen der linken Hand. Dementsprechend wurden die anderen Verletzungen bei der Festlegung des Schmerzensgeldes nicht berücksichtigt. Ich könnte jetzt mit großem Aufwand einen neuen ärztlichen Bericht anfordern. Ob ich damit dann mehr Schmerzensgeld bekomme, ist aber sehr fraglich – zumal die anderen Verletzungen im Vergleich zur Hand eher gering sind.

Sollte ich wieder in so eine Situation kommen (schnell-auf-Holz-klopf) und das kann ich jedem nur raten, werde  ich mich bei jedem Behandlungsschritt darum kümmern, dass alles entsprechend dukumentiert ist. Ggf. sogar gleich nach dem Unfall einen ärztlichen Bericht über die Verletzungen anfertigen lassen, etc. Ich hoffe natürlich, dass mir das erspart bleibt!

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  4 Antworten zu “Fahrradunfall: Schmerzensgeld nach Handbruch”

Kommentare (4)
  1. Tja, so isses!! Als Ami hätteste locker mal 2 Nullen anhängen können!!!!!!

  2. Ja da bin ich ja mal gespannt,
    was ich bekomme, hatte einen Handgelenkbruch,
    2mal OP,nach 5Monaten, Schmerzen ohne ende ist meine Hand immer noch nicht Ordnung,mein Sport ist Golfen und es passierte bei einem
    Sturz beim Golfturnier von Bernhard Langer,
    bis jetzt habe ich noch keine Ansprüche gestellt,weil ich nicht weiss
    wie es mit meiner Hand weitergeht,na ja ich lass mich überraschen.
    Als ich dort auf dem Boden lag,kam eine Bekannte vorbei und meinte nur
    in Amerika bekämmst du 2 Millionen,

  3. @gisela: wie kam es denn zu deinem Sturz? Lag denn Fremdverschulden vor?

  4. ja beim Ausgang aus dem Clubhaus
    standen 2 pflastersteine sehr hoch hinaus
    so es keine Sekunde gab den Sturz abzufangen.
    Herr Langer hatte die Anlage gemietet und war verantwortlich dafür,
    ich hatte auserdem Rippenprellung, Knie offen ,Ellebogen kaputt,
    es war also nicht lustig.

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