Vor ein paar Monaten habe ich mich bei Facebook angemeldet – manchmal muss man auch mal Dinge tun, ohne einen Grund dafür zu haben… Ein paar Monate später, weiß ich es immer noch nicht besser. Von 95% meiner Facebook-Kontakte habe ich nicht eine Nachricht bekommen. Und wenn doch, kann man eigentlich sicher sein, dass die Nachricht längst nach unten aus dem Bild verschwunden ist, bevor ich sie lesen konnte. Denn die restlichen 5% können nicht mal auf Toilette gehen, ohne allen Facebook-Kontakten Bescheid zu geben.

Neulich habe ich beim Mittagessen mit ein paar Kollegen über Facebook und Datenschutz diskutiert. Welche Gefahren drohen von Facebook und anderen sozialen Netzwerken?

Gesichtserkennung auf Fotos

Solange es von mir keine peinlichen Fotos gibt, ist es mir relativ egal, wenn Bilder von mir mit meinem Namen verbunden werden. Und wer entsprechende Bilder von mir macht und veröffentlicht, bewegt sich juristisch auf sehr dünnem Eis.

Es soll Arbeitgeber gehen, die in sozialen Netzwerken nach Informationen über Bewerber suchen. Daher macht es schon Sinn, wenn man ein wenig ein Auge darauf hat, was im Internet über einen geschrieben steht und welche Bilder zu finden sind. Wer sich aber ernsthaft Sorgen macht, wegen eines Profils in einem sozialen Netzwerk zur Arbeitslosigkeit verdammt zu sein, der sollte entweder mal über seinen Lebenswandel nachdenken oder schauen, ob im “Freundeskreis” vielleicht das Thema Persönlichkeitsrechte ein wenig zu locker genommen wird.

Ein Arbeitgeber, der mich wegen meiner Freizeitaktivitäten nicht einstellen will, ist aber eh nicht der Arbeitgeber meiner Wahl. Mit ein wenig Vorsicht sollte die Gefahr aber überschaubar sein. Und bei Facebook müssen Foto-Links mittlerweile auch freigegeben werden.

Flashmob-Partys

Nach entsprechenden Nachrichten in den Medien ist dies definitiv kein Thema, welches man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Aber wieso muss ich meine Freunde zu meiner Party über Facebook einladen? Telefon und Post nicht gut genug? Und wenns digital sein soll – Email?

Ein paar Leute haben in Deutschland teures Lehrgeld bezahlt. Der Rest sollte jetzt eigentlich wissen, dass man Partys nicht bei Facebook ankündigt.

Personalisierte Werbung

“Ich will keine personalisierte Werbung” – das habe ich schon recht häufig gehört. Warum eigentlich? Manipuliert mich personalisierte Werbung mehr als normale Werbung? Werde ich eher etwas kaufen, wenn ich Werbung bekomme, die sich an meine Interessen anpasst? Ich finde Werbung grundsätzlich nervig. Wenn ich dann mal Werbung von Dingen sehe, für die ich mich grundsätzlich interessiere, kann das doch so schlimm nicht sein…

Der König des Datensammelns ist wahrscheinlich mit Abstand Google. Kaum jemand hat die Suchmaschine noch nicht benutzt. Bei vielen Internet-Usern ist Google als Startseite eingestellt. Mittlerweile bietet Google einen Haufen weiterer Dienste an, meist mit entsprechendem Account. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als meine markierten Orte von meinem Smart-Phone auch auf meinem Laptop in Google-Maps markiert waren. Hier werden Daten miteinander verknüpft, ohne dass man das weiß.

Jetzt können also irgendwelchen klugen Leute nachvollziehen, welche Hobbies ich habe, für welche Orte ich mich interessiere und was weiß ich noch alles. Das Ergebnis ist eine auf mich abgestimmte Werbeflut. Na und? Ich glaube kaum, dass ich dadurch mehr Werbung über mich ergehen lassen muss – und wenn schon. Dafür kann ich kostenlose Dienste im Internet nutzen.

Das grundsätzliche Problem ist doch eher wie wir mit Werbung und Konsum umgehen. Lasse ich zu, dass Werbung meine Bedürfnisse verändert? Schenke ich den Aussagen der Werbung Beachtung? Gehe ich bewusst durch den Supermarkt und fülle meinen Einkaufswagen? Kaufe ich die teurere Marke, weil ich sie aus der Werbung kenne oder greife ich zur kostengünstigeren No-Name-Alternative? (Die meist nicht nur das exakt gleiche Produkt enthält, sondern im selben Werk gefertigt wurde.) Wenn alle Menschen in Deutschland die Dinge kaufen würde, die sie aus eigenem Antrieb haben wollen, und die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, könnten wir vielleicht auch auf Privatsendern abends mal einen Film ohne ständige Unterbrechungen schauen.

In Deutschland wird das Thema Datenschutz leider sehr unsachlich behandelt. Es gibt im Internet viele Fallen, in die man tappen kann. Viele Dinge sind aber auch halb so schlimm, wie sie gemacht werden. Ein sachlicherer Umgang würde sicher helfen, die echten Gefahren zu erkennen.

Meinen Facebook-Account werde ich wohl demnächst trotzdem löschen. Ganz einfach, weil ich ihn nicht brauche…

Keine ähnlichen Artikel.

 Antworten

(erforderlich)

(erforderlich)

Du kannst diese HTML Tags und Attribute benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

© 2012 Ascarloth's Blog Suffusion theme by Sayontan Sinha